Die DDR nahm an den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul mit einer Delegation von 259 Athleten, davon 157 Männer und 102 Frauen, teil und war gemäß dem Medaillenspiegel die zweitbeste Nation. Der Kugelstoßer Ulf Timmermann wurde als Fahnenträger zur Eröffnungsfeier ausgewählt. Erfolgreichster Vertreter war die Schwimmerin Kristin Otto, die sechs Goldmedaillen gewann.
Nominierung
Die nominierte Olympiamannschaft wurde auf einer internationalen Pressekonferenz am 2. September 1988 in Berlin vorgestellt. Dabei wurde eine Zahl von 284 Aktiven, 172 Männern und 112 Frauen angegeben.
Mannschaftsleitung
Die sportliche Leitung der Olympiamannschaft bestand aus den Funktionären Horst Röder als Chef de Mission sowie Rudolf Hellmann und Günther Heinze. NOK-Chef Manfred Ewald reiste nach offizieller Darstellung aus gesundheitlichen Gründen erstmals bei Olympischen Spielen nicht mit.
Teilnehmer nach Sportarten
Boxen
Die Boxer konnten zwei Gold- und eine Silbermedaille erringen. Zur DDR-Delegation gehörten unter anderem der spätere Profiweltmeister und Olympiasieger Henry Maske sowie Torsten Schmitz, der langjährige Trainer von Regina Halmich.
- Andreas Tews (SC Traktor Schwerin)
- Fliegengewicht (bis 51 kg)
- René Breitbarth (SC Traktor Schwerin)
- Bantamgewicht (bis 54 kg) 9. Platz
- Diego Drumm (SC Cottbus)
- Federgewicht (bis 57 kg) 33. Platz
- Andreas Zülow (SC Traktor Schwerin)
- Leichtgewicht (bis 60 kg)
- Andreas Otto (ASK Vorwärts Frankfurt)
- Halbweltergewicht (bis 63,5 kg) 17. Platz
- Siegfried Mehnert (SC Chemie Halle)
- Weltergewicht (bis 67 kg) 9. Platz
- Torsten Schmitz (SC Traktor Schwerin)
- Halbmittelgewicht (bis 71 kg) 9. Platz
- Henry Maske (ASK Vorwärts Frankfurt)
- Mittelgewicht (bis 75 kg)
- René Suetovius (SC Chemie Halle)
- Halbschwergewicht (bis 81 kg) 17. Platz
- Maik Heydeck (SC Dynamo Berlin)
- Schwergewicht (bis 91 kg) 5. Platz
- Ulli Kaden (SG Wismut Gera)
- Superschwergewicht (über 91 kg) 5. Platz
Fechten
Bei den Fechtern, wo für die DDR nur Herren an den Start gingen, gewann Udo Wagner im Floretteinzel die Silbermedaille. Im Finale musste er sich dem Italiener Stefano Cerioni mit 7:10 geschlagen geben. Diese Medaille hatte einen sensationellen Anstrich, da sie die erste und auch einzige Olympiamedaille für die immer um den Anschluss an die Weltspitze kämpfenden DDR-Fechter war. Wagner vergoldete vier Jahre später in Barcelona seine Silbermedaille durch Gold mit dem Team. Im Florettmannschaftswettbewerb kam es im Halbfinale zum deutsch-deutschen Vergleich. Dabei zogen die DDR-Fechter mit 4:9 den Kürzeren. Im Duell um Platz drei unterlag man dann Ungarn. Im Vorfeld der Spiele hatte es noch eine Veränderung im Mannschaftskader gegeben. Der spätere Olympiasieger von Barcelona, Ingo Weißenborn vom ASK Vorwärts Potsdam konnte offiziell aus gesundheitlichen Gründen nicht an den Wettkämpfen teilnehmen. Für ihn wurde Adrian Germanus vom SC Motor Jena nachnominiert.
- Udo Wagner (SC Einheit Dresden)
- Herren, Florett
- Mannschaft, Florett 4. Platz
- Jens Howe (ASK Vorwärts Potsdam)
- Herren, Florett 7. Platz
- Mannschaft, Florett 4. Platz
- Aris Enkelmann (SC Dynamo Berlin)
- Herren, Florett 11. Platz
- Mannschaft, Florett 4. Platz
- Adrian Germanus (SC Motor Jena)
- Mannschaft, Florett 4. Platz
- Jens Gusek (SC Einheit Dresden)
- Mannschaft, Florett 4. Platz
- Torsten Kühnemund (ASK Vorwärts Potsdam)
- Herren, Degen 5. Platz
- Uwe Proske (SC Dynamo Berlin)
- Herren, Degen 34. Platz
Gewichtheben
Das lediglich vierköpfige Gewichtheberteam brachte einen kompletten Medaillensatz mit nach Hause. Im 2. Schwergewicht gewann dabei der erst 19-jährige Ronny Weller mit Bronze seine erste olympische Medaille. Punktgleich dahinter landete Michael Schubert. Nach Silber in Moskau gelang Joachim Kunz nun in Seoul der Olympiasieg. Sein Vereinskamerad Ingo Steinhöfel gewann seine einzige olympische Medaille. Der Stralsunder Andreas Behm konnte wegen einer Verletzung nicht an den Start gehen.
- Joachim Kunz (SC Karl-Marx-Stadt)
- Leichtgewicht (bis 67,5 kg)
- Ingo Steinhöfel (SC Karl-Marx-Stadt)
- Mittelgewicht (bis 75 kg)
- Ronny Weller (ASK Vorwärts Frankfurt)
- 2. Schwergewicht (bis 110 kg)
- Michael Schubert (TSC Berlin)
- 2. Schwergewicht (bis 110 kg) 4. Platz
- Andreas Behm (BSG Motor Stralsund)
- kein Einsatz wegen Verletzung
Handball
Punktgleich mit dem Zweitplatzierten belegten die DDR-Handballer in ihrer Vorrundengruppe den vierten Platz. So blieb dem Olympiasieger von 1980 nur das Spiel um Platz sieben, welches man knapp gegen Island gewann. Die Handballfrauen konnten sich nicht für Olympia qualifizieren.
Männer 7. Platz
- Andreas Neitzel (SC Dynamo Berlin)
- Bernd Metzke (ASK Vorwärts Frankfurt)
- Frank-Michael Wahl (SC Empor Rostock)
- Holger Schneider (SC Empor Rostock)
- Holger Winselmann (SC Magdeburg)
- Matthias Hahn (SC Empor Rostock)
- Mike Fuhrig (SC Leipzig)
- Jens Fiedler (SC Magdeburg)
- Peter Hofmann (SC Leipzig)
- Peter Pysall (SC Magdeburg)
- Rüdiger Borchardt (SC Empor Rostock)
- Stephan Hauck (SC Dynamo Berlin)
- Wieland Schmidt (SC Magdeburg)
- Gunar Schimrock (SC Magdeburg)
- Ralf Bausch (SC Leipzig)
Judo
Die vierköpfige DDR-Mannschaft gewann mit zweimal Silber und einmal Bronze drei Olympiamedaillen.
- Udo Quellmalz (SC Leipzig)
- Halbleichtgewicht (bis 65 kg) 20. Platz
- Sven Loll (SC Dynamo Hoppegarten)
- Leichtgewicht (bis 71 kg)
- Torsten Bréchôt (SC Dynamo Hoppegarten)
- Halbmittelgewicht (bis 78 kg)
- Henry Stöhr (SC Dynamo Hoppegarten)
- Schwergewicht (über 95 kg)
Kanu
In neun von zwölf Entscheidungen gewannen DDR-Kanuten Medaillen. Die Frauen entschieden dabei zwei von drei Entscheidungen für sich. Birgit Fischer holte in drei Wettbewerben zweimal Gold und einmal Silber, Anke Nothnagel wurde ebenfalls Doppelolympiasiegerin.
Leichtathletik
Der ursprünglich nominierte Zehnkämpfer Thomas Fahner vom ASK Vorwärts Potsdam konnte offiziell aus gesundheitlichen Gründen nicht an den Wettkämpfen teilnehmen. Für ihn wurde sein Klubkamerad Uwe Freimuth nachnominiert. Weiterhin wurde der 400-Meter-Läufer Frank Möller vom ASK Vorwärts Potsdam nachnominiert. Der ursprünglich vorgesehene Matthias Schober vom SC Turbine Erfurt hatte nicht den erforderlichen Leistungsnachweis erbracht.
Radsport
Bahn
Straße
Der Straßenvierer gewann die erste Medaille für die DDR bei den Spielen, diese war auch gleich golden. Am zweiten Wettkampftag gelang der Mannschaft von Trainer Wolfram Lindner der Sieg vor dem polnischen Quartett mit dem Vorsprung von 6,5 Sekunden.
Ringen
Griechisch-römisch
- Maik Bullmann (ASK Vorwärts Frankfurt)
- Mittelgewicht (bis 82 kg) ausgeschieden
- Olaf Koschnitzke (ASK Vorwärts Frankfurt)
- Halbschwergewicht (bis 90 kg) 7. Platz
Freistil
- Volker Anger (SG Dynamo Luckenwalde)
- Halbfliegengewicht (bis 48 kg) 7. Platz
- Karsten Polky (SG Dynamo Luckenwalde)
- Fliegengewicht (bis 52 kg) ausgeschieden
- Uwe Westendorf (SG Dynamo Luckenwalde)
- Weltergewicht (bis 74 kg) 8. Platz
- Hans Gstöttner (SG Chemie Halle)
- Mittelgewicht (bis 82 kg) 8. Platz
- Uwe Neupert (SC Motor Jena)
- Schwergewicht (bis 100 kg) 4. Platz
- Andreas Schröder (SC Motor Jena)
- Superschwergewicht (bis 130 kg)
Rudern
Schießen
Schwimmen
Segeln
Turnen
Die ursprünglich nominierte Astrid Heese SC Dynamo Berlin konnte offiziell aus gesundheitlichen Gründen nicht an den Wettkämpfen teilnehmen. Für sie wurde Christiane Thoms vom SC Empor Rostock nachnominiert. Während die Turnerinnen in den Gerätefinals außer am Stufenbarren nichts mit den Medaillenentscheidungen zu tun hatten, erkämpften sie sich im Mannschaftswettbewerb nach einem dramatischen Wettkampf äußerst knapp die Bronzemedaille. Durch eine Fußverletzung konnte die Dresdnerin Martina Jentsch nicht eingesetzt. Dementsprechend gab es für die Riege kein Streichergebnis und jeder Fehler wirkte sich direkt im Klassement aus. So konnte sich die USA-Riege nach Stürzen von Dagmar Kersten und Dörte Thümmler am Schwebebalken an den DDR-Turnerinnen vorbeischieben. Ein schlechtes Abschneiden am Boden ließ die DDR-Riege zeitwillig bis auf Platz fünf rutschen. Durch hervorragende Benotungen am letzten Gerät, dem Stufenbarren, wo zum Beispiel Dagmar Kersten 9,975 Punkte erhielt, konnten sich die DDR-Turnerinnen am Ende aber noch an der USA-Riege vorbeischieben und gewannen mit 0,3 Punkten Vorsprung etwas überraschend die Bronzemedaille.
Volleyball
Frauen 5. Platz
- Ariane Radfan (SC Dynamo Berlin)
- Dörte Stüdemann (SC Traktor Schwerin)
- Grit Jensen (SC Dynamo Berlin)
- Heike Jensen (SC Dynamo Berlin)
- Kathrin Langschwager (SC Dynamo Berlin)
- Maike Arlt (SC Dynamo Berlin)
- Monika Beu (SC Dynamo Berlin)
- Steffi Schmidt (TSC Berlin)
- Susanne Lahme (SC Dynamo Berlin)
- Ute Langenau (SC Dynamo Berlin)
- Ute Steppin (SC Traktor Schwerin)
- Brit Wiedemann (TSC Berlin)
Wasserspringen
Statistik
Medaillen je Sportart
Medaillen je Verein
Teilnehmer nach Vereinen und Sportart
Einzelnachweise
Weblinks
- Olympiamannschaft der DDR 1988 in der Datenbank von Sports-Reference (englisch; archiviert vom Original)




