Als Interkontinentales Derby (türkisch Kıtalar Arası Derbi) werden die Begegnungen im Fußball zwischen den beiden erfolgreichsten und populärsten Sportvereinen der Türkei, Fenerbahçe und Galatasaray, bezeichnet.

Begriffserläuterung

Der Begriff leitet sich unter anderem von der Tatsache ab, dass sich die Gründungszentren der beiden Istanbuler Vereine auf den verschiedenen Seiten des Bosporus befinden. Außerdem betreibt Galatasaray seine Anlagen bis auf wenige Ausnahmen auf der europäischen Seite; so befindet sich z. B. das Rams Park im europäischen Stadtteil Seyrantepe. Die Anlagen von Fenerbahçe hingegen sind auf der asiatischen Seite zu finden. Die Heimspiele trägt der Verein im Şükrü-Saracoğlu-Stadion im Stadtteil Kadıköy aus.

Hintergründe

Im Gegensatz zu anderen bekannten Derbys sind hier für den oft aggressiv geführten Wettstreit, abgesehen von der Lokalrivalität, keine ausschlaggebenden Gründe bekannt. Von 1911 bis 1934 bestritten die Vereine ihre Begegnungen gegen ausländische Teams sogar mit einer gemeinsamen Auswahl. Für diese Begegnungen wurden Trikots mit den Farben beider Mannschaften entworfen. In diesen Jahren war die Fusion beider Vereine nicht selten ein Thema, so verfassten die damaligen Vereinspräsidenten Ali Sami Yen (Galatasaray) und Hulusi Hüsnü Kayacan (Fenerbahçe) sogar schon die Statuten für den neuen Sportverein.

Dieser Plan wurde jedoch immer wieder aufgeschoben, um ab dem 23. Februar 1934 vollständig verworfen zu werden, an dem es während des Derbys zu Tätlichkeiten seitens von Galatasaray-Spielern kam, als Kadri Dağ beim Spielstand von 0:0 in der 60. Spielminute seinen Gegenspieler Mehmet Reşat Nayır vom Fenerbahçe trat. Hierauf eilte der Fenerbahçe-Spieler Fikret Arıcan herbei, wo er vom Galatasaray-Spieler Tevfik gegriffen und auf den Spielfeldrand geworfen wurde. Diese Tätlichkeiten führten zu einer Rudelbildung zwischen den Spielern beider Mannschaften und es eskalierte weiter zu einer Schlägerei. Die hitzige Stimmung übertrug sich rasch auf die Tribünen und so kam es zu einer Massenschlägerei unter den Anhängern beider Teams. Als Folge dieser Massenschlägerei wurde das Spiel frühzeitig abgebrochen und wurde erst im Mai 1934 nachgeholt. Weitere Folgen verhängte der „Mıntıka Futbol Heyeti“ (deutsch regionale Fußballausschuss) einen der größten Strafmaße der türkischen Sportgeschichte, indem es 17 Spieler mit temporären Spielsperren versehte. Davon waren neun Spieler vom Fenerbahçe und acht vom Galatasaray betroffen. Wovon ein weiterer Rivale profitierte, indem Beşiktaş Istanbul die Istanbuler Meisterschaft 1933/34 gewann. Mit einem Punktvorsprung vor Vizemeister Fenerbahçe und mit vier Punkten vor dem Meisterschaftsdritten Galatasaray, da diese beide Mannschaften die Saison nicht in Bestbesetzung beendeten. In Erinnerung an dieses Ereignis wurden die folgenden Begegnungen mit großer Spannung erwartet und ausgetragen.

Mit zunehmender Beliebtheit des Fußballs in der Türkei und der Vereine stieg auch die Brisanz des Derbys. Fans beider Teams behaupten, Anhänger des größten Vereins der Türkei zu sein. Während Fenerbahçe seinem Gegner in den Duellen öfter überlegen ist, kann Galatasaray mehr nationale und internationale Titel, sowie den größeren Bekanntheitsgrad außerhalb der Türkei vorweisen. Fenerbahçe möchte jedoch durch eine selbst lancierte Kampagne die Landesfußballmeisterschaften vor Gründung der Süper Lig mitzählen lassen, womit man in puncto Meistertitel (28) wieder an den Rivalen vorbeiziehen würde. Ob diese Forderung akzeptiert wird, ist Gegenstand einer weiteren entfachten Auseinandersetzung wie auch ein brisanter Streitpunkt in der Rivalität der beiden Klubs. Noch wurde dem türkischen Fußballverband kein Antrag gestellt.

Fans

In den Anfangsjahren bildete sich die Anhängerschaft von Galatasaray, beeinflusst durch die Gründungsgeschichte, meist aus dem Bildungsbürgertum und der Mittelschicht der Stadt, wohingegen Fenerbahçe vermehrt die Arbeiterklasse ansprach. Heutzutage ist jedoch eine soziale Zuordnung nicht möglich, da in allen Bevölkerungsteilen und -schichten Anhänger beider Vereine anzutreffen sind. Fenerbahçe ist heute durch die Unterstützung erfolgreicher Geschäftsleute der finanziell stärkere Verein. Laut mehrerer repräsentativer Umfragen sind sie außerdem bei Bürgern mit mehr als 1500,- YTL Monatseinkommen am beliebtesten (zum Vergleich: Durchschnittslohn/Monat 2005 = 1190 YTL).

Am 2. November 2018, vor dem Anpfiff des Derbys, verstarb ein Fenerbahçe-Fan im Zuschauerblock an den Folgen eines Herzinfarktes. Die mitgereisten Fenerbahçe-Fans verließen aufgrund dessen vorzeitig das Türk Telekom Stadyumu.

Bilanz

Im direkten Vergleich innerhalb der nationalen Wettbewerbe liegt Fenerbahçe vorne. Von 2000/01 bis 2009/10 gewann Fenerbahçe zehn Liga-Heimspiele in Folge.

Liste der Spiele

Statistiken

Höchste Siege

Den bisher höchsten Sieg konnte Galatasaray mit 7:0 am 12. Februar 1911 davontragen. Kurios dabei ist, dass Galatasaray nur mit sieben Mann auf dem Feld stand und Fenerbahçe zu acht, jedoch Fenerbahçe ohne ihren Torwart. Stattdessen hatte Fenerbahçe einen Studenten aufgestellt. Deswegen wurde diese Begegnung auch „Spiel ohne Torwart“ genannt. Während des Spiels kamen noch Spieler für beide Seiten an und beide Teams verließen das Feld mit zehn Mann.

Andere hohe Siege mit fünf Toren Differenz (oder mehr):

Meiste Derbys

Rangliste der Torschützen

In bislang 403 Derbys trafen 364 Spieler im Interkontinentalen Derby das Tor. Rekordtorschütze ist Zeki Rıza Sporel. Sporel machte insgesamt 28 Tore, es ist gleichzeitig der beste Wert eines Fenerbahçe-Spielers. Die meisten Tore für Galatasaray erzielte mit 21 Treffern Metin Oktay. Zwischen Sporel und Oktay befindet sich Tanju Çolak. Çolak machte 22 Tore, 14 für Galatasaray und acht für Fenerbahçe. Der beste ausländische Spieler ist der Bosnier Elvir Bolić (10 Tore, alle für Fenerbahçe).

Bei gleicher Anzahl von Treffern sind die Spieler alphabetisch nach Nachnamen bzw. Künstlernamen sortiert.

Meiste Tore in einem Spiel

„Überqueren des Bosporus“

(in kursiv: direkter Wechsel zum Rivalen)

Spieler

Trainer

Titelvergleich

Sicherheitsvorkehrungen

Mit der zunehmenden Brisanz des Derbys und der Organisation der Fangruppen stieg auch die Gewaltbereitschaft vieler Anhänger. Die Spiele werden unter größten Sicherheitsvorkehrungen ausgetragen. Über 4.000 Polizeibeamte und Ordner werden bei den Begegnungen in den und um die Stadien eingesetzt. In bestimmten Anlaufstellen größerer Fangruppen, wie z. B. Bahnhöfen und Fähranlegestellen, gibt es ausgedehnte Polizeikontrollen. Es wird streng darauf geachtet, dass die Fans während ihrer Anreise zum Austragungsort nicht aufeinandertreffen. So werden z. B. die Fans der Gastmannschaft mit Polizeibussen zum Stadion gefahren. Personen, die keine gültige Eintrittskarte für das Spiel besitzen und vorzeigen können, werden nicht einmal in das Umfeld des Stadions gelassen. Eine Zeit lang war es den Gästefans verboten, Derbys im Stadion des Gegners zu besuchen.

Gewalt außerhalb des Stadions

Obwohl man das Aufeinandertreffen der Fans beider Teams durch strenge Kontrollen zu vermeiden versucht, gelingt es immer wieder einigen Gruppen, die Sicherheitskontrollen zu überwinden, um größere Anlaufstellen gegnerischer Zuschauer zu stürmen. Diese Provokationsversuche enden nicht selten in gewalttätigen Auseinandersetzungen. Bedingt durch das unvorhersehbare und plötzliche Erscheinen dieser Gruppen sind die daraus folgenden Konflikte durch die Sicherheitskräfte sehr schwer in den Griff zu bekommen. So kommt es bereits im Vorfeld der Begegnung zu Verletzungen und Verhaftungen. Häufig fallen auch Journalisten den Ausschreitungen zum Opfer. Die Sicherheitsvorkehrungen bestehen auch nach dem Spiel noch, da dann die Stimmung, je nach Ergebnis, oft gereizter ist als vor der Begegnung, und es wird dafür gesorgt, dass die Gästezuschauer unversehrt sowohl das Stadion, als auch den Stadtteil verlassen können.

Am 13. Mai 2013 wurde nach dem Istanbuler Stadtderby zwischen Fenerbahçe und Galatasaray ein Fenerbahçe-Fan in der Istanbuler Innenstadt niedergestochen. Medienberichten zufolge handelte es sich bei den Tätern um Anhänger des Erzrivalen Galatasaray. Der 19 Jahre alte Fenerbahçe-Fan erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Gewalt innerhalb des Stadions

Nicht selten werden die sanitären Einrichtungen im Stadion durch Gästezuschauer beschädigt. Nachdem es fast zur Tradition geworden ist, dass sich die gegnerischen Fans mit bengalischen Feuern, Sitzschalen und anderen Gegenständen bewerfen, wird der Gästeblock in den Stadien mit Sicherheitsnetzen umhüllt. Die Vereine werden nach einem Derby regelmäßig durch den Verband bestraft, da die Vereinsvorstände derartige Ausschreitungen nie wirklich verhindern können. Die Strafen variieren, je nach Vergehen, von Geldstrafen bis zu Stadionsperren. Der wohl mit Abstand schlimmste Vorfall ereignete sich beim Derby am 19. Mai 2007 im Ali-Sami-Yen-Stadion. Nachdem sich die Anhänger von Galatasaray zunächst eine Schlacht mit der Polizei geliefert hatten, warfen sie während des gesamten Spiels bengalische Feuer, Plastikflaschen, Münzen, Sitzschalen, Steine u. a. Banane, Batterie, Ei, Eisenstange, Handy, Schnuller und Tennisball aufs Spielfeld. Die Partie musste zweimal unterbrochen werden. Gegen Ende der Begegnung wurden in einigen Tribünenblöcken die Sitze angezündet. Nach dem Spiel waren nahezu alle Sitzschalen im Stadion beschädigt. Galatasaray erhielt für diesen Vorfall eine Stadionsperre von fünf Heimspielen.

Gewalt an Spielern und Trainern

Die Spieler und der Trainerstab der Gästemannschaft bekommen diese Rivalität ebenfalls oft durch Beleidigungen und Wurfgeschosse zu spüren. Auch sie kennen die Atmosphäre dieser Begegnungen und unterlassen zum größten Teil provozierende Gesten. Graeme Souness jedoch unterschätzte im Pokalfinale am 24. April 1996 die Brisanz des Derbys und platzierte in der Euphorie über den Pokalsieg kurzerhand eine riesige Galatasaray-Fahne inmitten des Spielfelds. Die Fenerbahçe-Fans gerieten daraufhin derart in Aufruhr, dass es Souness nur unter Polizeischutz möglich war das Stadion zu verlassen. Höhepunkte erreichten diese Gewalttaten bei den Derbys der Saison 2006/07. Bei der Begegnung am 3. Dezember 2006 im Sükrü Saracoglu-Stadion von Fenerbahçe fielen die Spieler von Galatasaray, besonders Ümit Karan und Faryd Mondragón sowie der Trainer der Gelb-Roten Eric Gerets den Aggressionen zum Opfer. Ümit Karan und Eric Gerets erlitten durch Wurfgeschosse tiefe Wunden am Kopf. Der Torhüter Faryd Mondragon wurde sogar durch eine Schallbombe für mehrere Minuten außer Gefecht gesetzt, setzte das Spiel aber fort. Er beschwerte sich nach dem Spiel noch über Gehörprobleme. Beim Rückspiel rächten sich die Galatasaray-Anhänger, indem sie die Spieler von Fenerbahçe permanent mit Flaschen und anderen Gegenständen bewarfen und sorgten so für mehrere Spielunterbrechungen. Die Spieler waren kaum in der Lage, Eckstöße oder Einwürfe auszuführen.

Weitere Zahlen und Rekorde

  • Das erste Tor in der Geschichte des Derbys schoss Emin Bülent Serdaroğlu von Galatasaray.
  • Fenerbahçe musste fünf Jahre auf den ersten Sieg und das erste Tor gegen den heutigen Erzrivalen warten. Am 4. Januar 1914 gewann man im achten Derby mit 4:2. Das erste Tor für Fenerbahçe erzielte Hasan Kamil Sporel.
  • Die niedrigste Zuschauerzahl wurde am 17. November 1922 gemeldet. Bei strömendem Regen, als sogar der Schiedsrichter das Spiel unter einem Regenschirm leitete, verfolgten 14 Zuschauer das Spiel.
  • Die höchste Zuschauerzahl gab es am 21. September 2003. Im Atatürk-Olympiastadion wurden 70.125 Zuschauer gezählt.
  • Der Spieler, der sich am häufigsten bei diesen Derbys das Trikot überstreifen konnte, ist Turgay Şeren von Galatasaray mit 55 Spielen.
  • Galatasaray konnte nach dem gewonnenen Derby am 17. Mai 1942 in 18 Partien nicht als Sieger vom Platz gehen. Erst am 1. Dezember 1946 triumphierte die Mannschaft wieder über den Erzrivalen.
  • Eine ähnliche Durststrecke musste Fenerbahçe nach dem Derbysieg vom 20. November 1949 durchlaufen. Es konnte den Gegner in elf Begegnungen nicht bezwingen, bis am 22. Februar 1953 der Bann brach.
  • Galatasaray hatte mit dem 2:1 gewonnenen Derby am 22. Dezember 1999 20 Jahre lang nicht mehr im Stadion des Gegners gesiegt. Diese Serie endete am 23. Februar 2020 durch ein 3:1-Auswärtssieg der Gelb-Roten.
  • Die meisten Tore in einem Spiel erzielten mit jeweils vier Treffern in einer Partie Celal Ibrahim, Cemil Gürgen und Metin Oktay von Galatasaray sowie Zeki Riza Sporel von Fenerbahçe.
  • Die höchsten Ergebnisse in der regulären Spielzeit gab es am 5. Juni 1983 und am 7. Februar 2001. Beide Spiele endeten 4:4.
  • Das Derby mit den meisten Platzverweisen für Galatasaray ereignete sich am 16. Februar 2002. Vor 52.000 Zuschauer ging dieses Skandalspiel im Şükrü-Saracoğlu-Stadion mit einer 1:0-Führung Fenerbahçes in die Halbzeitpause. Danach wurden im hektischem und aufgeheiztem weiteren Spielverlauf gegen vier Galatasaray-Spieler Feldverweise verhängt, dreimal die Rote Karte wegen Notbremse, Tätlichkeit und Schiedsrichterbeleidigung, einmal die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels. Trotz dieser Hinausstellungen änderte sich das Ergebnis nicht mehr.
  • Den höchsten Süper-Lig-Spielsieg der interkontinentalen Derby-Historie erzielte Fenerbahçe am 6. November 2002. Vor über 55.000 Fans im Şükrü-Saracoğlu-Stadion hieß es am Ende 6:0 für Fenerbahçe Istanbul. Fenerbahçe spielte nach dem 2:0 bis zum 5:0 in Unterzahl, da Ariel Ortega in der 58. Minute die Rote Karte sah. In der 84. Minute wurde auch der Galatasaray-Spieler Emre Aşık des Feldes verwiesen.
  • Zu einem der wichtigsten Derbys kam es am 12. Mai 2012, als Fenerbahçe und Galatasaray am letzten Spieltag im Şükrü-Saracoğlu-Stadion die Meisterschaft unter sich ausspielten. Galatasaray schaffte es mit einem 0:0, den benötigten Punkt zu holen und damit im Stadion des Rivalen Meister zu werden, was ein Novum in der Derbygeschichte darstellt.

Dokumentationen und Reportagen

  • Britische TV-Reportage: International Football Factory, über die Rivalität zwischen Fenerbahçe- und Galatasaray-Ultras (44 min.) aus dem Jahr 2006
  • ARTE – Die großen Sportduelle: Fenerbahçe vs. Galatasaray (43 min.) aus dem Jahr 2006
  • Fußball-Rivalen, Türkei: Galatasaray vs. Fenerbahçe – Teil 1 (10 min.) und Teil 2 (10 min.) aus dem Jahr 2007
  • Schwarzer Samstag (Derby, 19. Mai 2007) – Ausschreitungen, türkisch (Memento vom 4. Mai 2016 im Internet Archive)
  • Derby Days: Pyro, Passion and Problems (15 min.) – Derby vom 6. April 2014 aus dem Jahr 2014 (englisch)

Weblinks

  • Stephan Reich: 11 Freunde: Christoph Daum über Rivalität im türkischen Fußball – „Waffen waren üblich“ , 9. September 2015
  • Liste aller Spiele zwischen Fenerbahçe und Galatasaray. Mackolik.com (türkisch)

Einzelnachweise


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